Brigitte Kowanz

Die Lichtkünstlerin Brigitte Kowanz

Lichtpoetin, Botschafterin des Lichts, Lichtkünstlerin – das sind einige der Beinamen, die Brigitte Kowanz im Laufe ihrer 30jährigen Karriere umgehängt bekam. Seit den 1980 er Jahren setzt sich die Künstlerin mit dem Medium Licht auseinander. Heute gilt sie als eine der renommiertesten Lichtkünstlerinnen der Gegenwart. Unerschöpflich ist diese Auseinandersetzung für die kleine, zierliche Frau mit der grauglasigen Brille.

Ich merke gar nicht, dass mir ein kleiner grauer nackter Windhund entgegenbellt, als ich das Atelier von Brigitte Kowanz im zweiten Wiener Gemeindebezirk, in dem gerade alle wohnen wollen, betrete. Das Bellen ist so leise wie das Tier fragil, das, wie ich erfahren soll, weiblich ist. „Sie sehen nicht nur fragil aus, sie sind es auch,“ sagt Brigitte Kowanz und meint damit ihre Hündin Lou und deren Compagnon Paul, der, versteckt unter einer Decke, im Korb liegt und schläft. Paul habe sich schon einmal das Bein gebrochen.

Die Materialien

Die meisten der Materialien, mit denen Brigitte Kowanz arbeitet, sind auch fragil. Spiegel, Glas in jeder Form, Neonröhren, LED, Monitore, reflektierendes Metall. Der Spiegel sei ein ideales Instrument, um Licht sichtbar zu machen, sagt sie. Licht, das alles sichtbar macht, selber sichtbar zu machen, darum geht es ihr, das ist ihr Ur-Anliegen und ihr Antrieb. „Licht ist ein elementarer Stoff, der für alles Leben verantwortlich ist, es ist eine Metapher für Erkenntnis, Verstehen, Wissen. Wie bringe ich das Licht dazu, sich so zu zeigen, dass ich es fassen kann? fragte ich mich, als ich begann, damit zu arbeiten.“ Das war in den 1980er Jahren, nach ihrem Studium an der Hochschule für angewandte Kunst, die heute Universität ist und an der sie seit 1997 selber lehrt. Bevor sie sich exklusiv dem Medium Licht zu widmen begann, hatte sie sich auch an Malerei, Video, Film und Fotografie probiert – die alle auch auf ihre Art mit Licht operieren. All das fiel weg. Nur das Licht, es blieb.
Nur mit Licht zu arbeiten mag auf den ersten Blick erschöpflich wirken. Kann man sich Jahrzehnte lang so an einem Medium abarbeiten, dass einem dabei nicht langweilig wird?

„Ich lerne noch immer dazu, mache immer wieder neue Entdeckungen, und solange es die gibt, geht es weiter.“

Ihre Arbeiten verbinden Licht mit Schrift und Sprache, befassen sich mit der Geschwindigkeit des Lichts, mit Licht als Information.
Brigitte Kowanz stellt Fragen an ihr Lieblingsmedium, immer wieder andere, und beantwortet sie – wenn angebracht – in Hinblick auf die Zeit, in die sie fallen. So fließen auch neue Technologien und Entwicklungen, Zeitgeist-Phänomene und andere Themen aus dem Hier und Jetzt in die Gestaltungsprozesse mit ein. Das wiederum macht die Arbeit abwechslungsreich. Und erfordert die Bereitschaft, sich mit diesen neuen Dingen auseinanderzusetzen. So bleibt der Verstand in Bewegung. Und wenn das Denken frisch bleibt, ist Stillstand unmöglich. „Kaum ist eine Werkgruppe abgeschlossen, stehen schon wieder neue Fragestellungen im Raum“, sagt sie. Ein nie endender Prozess.

Klar sind die Antworten, die sie gibt, keineswegs. Lichtkünstlerin Brigitte Kowanz will, dass ihre Arbeiten Aufmerksamkeit auf sich ziehen, dass sie „ästhetisch interessant sind, dass das Licht fasziniert, und der Betrachter in immer tiefere Schichten eindringt“. Sie will aber auch, dass der Betrachtende sich – im wahrsten Sinne des Wortes – darin spiegelt. Dadurch sieht jeder etwas Anderes in ein und demselben Produkt.

„Es gibt immer einen Aspekt in der Arbeit, der ganz konkret ist, aber jede Arbeit hat auch Öffnungen, in denen der Betrachter sich selbst begegnen kann.“

Auszeichnungen

Viele, viele Auszeichnungen hat Brigitte Kowanz im Laufe der Jahre erhalten, unter anderem 2009 den Großen Österreichischen Staatspreis. 2010 widmete ihr das mumok (Museum moderner Kunst) in Wien unter dem Titel Now I see eine Retrospektive, bei der ihre Lichtobjekte in einem 450 m2 großen Spiegelsaal inszeniert wurden. Neben der Biennale vor zwei Jahren, wo ihr Beitrag Infinity and beyond – eine wandfüllende, den Betrachtenden einsaugende Neoinstallation, die die Anfänge des Internet thematisiert – empfindet sie Now I see als einen ihrer größten Erfolge. Sie freue sich über jede Auszeichnung, aber sagt auch, dass eine gute Ausstellung wichtiger sei als ein Preis. Diese Einstellung versucht sie auch ihren Studentinnen und Studenten zu vermitteln, in dem Wissen, dass der Kunstbetrieb sich in den letzten 30 Jahren in etwas ganz anders verwandelt hat als das, was sie aus der eigenen Studienzeit kennt: Dreimal so viele Studierende pro Klasse, eine Professionalisierung und praktische Vorbereitung auf das, was die Jungen im Kunstmarkt erwartet: „Wir waren einerseits viel radikaler, aber karrieremäßig auch wesentlich naiver. Dennoch fordere ich von den Studierenden, dass sie an der Substanz der Kunst bleiben und nicht zu Karrierekünstlern werden, die ausschliesslich strategisch agieren, um erfolgreich zu sein.“

Das Kowanz-Atelier

Das Kowanz-Atelier ist hell und – obwohl in Nähe des lauten Pratersterns – ruhig. Es ist so, wie man sich die Arbeitsumgebung einer Lichtkünstlerin vorstellt: hohe Räume, viel Platz, einige ihrer Arbeiten an den Wänden und drei junge Menschen, die mit ihr zusammenarbeiten. Johanna transformiert Analoges in Digitales, George kümmert sich um die Kommunikation und Adrian, Brigittes Sohn, übernimmt Organisatorisches und ist einer ihrer wichtigsten Gesprächspartner, wie sie sagt. Derzeit arbeitete sie mit ihrem Team intensiv an ihrem Beitrag für die Cairo Biennale im April, für die sie, die Lichtpoetin, Botschafterin des Lichts, der Licht-Star nominiert ist.

www.kowanz.com / Words: Martha Miklin

 

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das: