Christian Harisch, Gastgeber und Gesundheits-Visionär. Seine Lanserhof-Resorts sind vielfach ausgezeichnet und er vielfach beschäftigt. Abends ergibt sich endlich ein Zeitfenster für ein Interview – in der typischen Dynamik, die ihn auszeichnet.
Vom Hotel-Erbe zum Gesundheitsunternehmer
Daniel Chardon (DC) / Sie kommen aus einer uralten Hotel-Familie, die Passion hat sie nie losgelassen?
Christian Harisch (CH) / Ja, richtig. Ich habe die klassische Ausbildung gemacht und auch als Chef de Rang in Paris gearbeitet, dann aber die Anwaltsausbildung absolviert. Mein Vater meinte immer, da verdiene man mit Briefe schreiben einen Haufen Geld. So einfach war es dann doch nicht. Wieder richtig in die Hotellerie eingestiegen bin ich, als wir, Kommerzialrat Pletzer, Stefan Rutter und ich 1998 den Lanserhof in Lans erworben haben.
Lounge mit blauem Sofa und Blick ins Grüne. © Alexander Haiden
Wie aus der Mayr-Kur das Lanserhof-Konzept entstand
DC / Gesundheit war da schon ein Thema?
CH / Es gab eine Kur, aber nicht so entwickelt wie heute. Professor Andreas Wieser trug dann als geschäftsführender Gesellschafter entscheidend zur Entwicklung des Lanserhof Concept bei. Wir haben über die Kur hinaus sehr stark auf Medizin, Prävention, alternative Heilkunde gesetzt. Aus der Mayr-Kur haben wir die Lanserhof-Kur entwickelt.
DC / Wart ihr damals die ersten?
CH / Nein, es gab schon das Heilfasten nach Buchinger: die sind auch heute noch erfolgreich.
Das Thema ist komplex und es braucht viel Erfahrung, über Jahre. Es gibt immer wieder Anbieter auf der Suche nach dem schnellen Erfolg. Das funktioniert nicht. Wir arbeiten heute schon am Konzept Lanserhof 2050, an Zukunftsprojekten wie Alzheimer- und Demenzprävention. Es werden auch neue Technologien wie KI integriert.
Longevity: Modewort oder medizinische Notwendigkeit?
DC / Und Longevity?
CH / Ist natürlich der neue Modebegriff. Das Streben nach langem Leben. Eigentlich basiert es zum wesentlichen auf drei einfachen Faktoren: Bewegung, Ernährung und Schlafen!
So simpel es tönt, so komplex sind diese im Detail. Ernährung, Bewegung und Schlafen sind jeder für sich grosse Forschungsfelder. Im Alltag kommen uns Beruf, Stress, Reisen, Jetlag in die Quere. In der Regel leben wir ungesund, schlafen zu wenig, essen zu viel und bewegen uns falsch oder gar nicht. Kommt dazu, dass ich vielleicht genetisch vorbelastet bin. Da brauche ich die Diagnostik.
DC / Wie macht das Christian Harisch persönlich?
CH / Mit 38 Jahren, also 20 Jahre nach der Matura, hatten wir ein Klassentreffen, das mein Leben verändert hat! Ich bin erschrocken, wie wir uns verändert haben und habe mir gedacht, ich muss jetzt was tun… Da habe ich begonnen, einmal im Jahr eine Kur im Lanserhof zu machen. Ich komme jetzt gerade von der Kur in Sylt, trinke jetzt drei Monate im Jahr nicht, bewege mich viel und schlafe zu wenig (lacht).
DC / Interessant, dass es solche Aufwachmomente im Leben braucht….
CH / Absolut – und trotzdem fallen wir in schlechte Gewohnheiten zurück. Bei mir hatte sich eine Fettleber angekündigt. Und innerhalb eines Jahres hatte ich dank den Kuren wieder eine Leber wie ein Baby. Es ist schon erstaunlich, was wir selber bewirken können.
© Alexander Haiden
Wie der Lanserhof medizinische Betreuung neu denkt
DC / Seid ihr im Bereich Medizin und Forschung mit Universitäten verbunden?
CH / Wir sind tatsächlich mit vielen Universitätskliniken vernetzt. Wir beschäftigen über 100 Ärzte und haben eine eigene Lanserhof Academy ins Leben gerufen. Wir haben einen eigenen Naturheilkundler, der alle schult. Die Naturheilkunde ist für uns essentiell. Wir haben im Laufe von 40 Jahren unfassbar viele Daten dazu gesammelt, die auch in die Forschung fliessen.
DC / Ihr seid für Eure Qualität berühmt…
CH / Die Gäste profitieren von einer enorm hohen Mitarbeiterzahl. In Tegernsee kümmern sich z.B. 200 Mitarbeiter um 70 bis 80 Gäste. Wir garantieren zudem eine 24-Stunden-Betreuung. Das wird von den Gästen sehr geschätzt.
Als Hymne an das Licht haben der preisgekrönte Architekt Christoph Ingenhoven und der Landschaftsarchitekt Enzo Enea den Hotelkomplex in Anlehnung an die Gebäude in Süddeutschland im Hofstil gestaltet.
© Alexander Haiden
Nachhaltigkeit beginnt beim Bauen
DC / Wann habt ihr auf nachhaltige Bauweise geachtet?
CH / Das hat 2014 mit Tegernsee angefangen. Das beginnt mit der Planung und dann Umsetzung von nachhaltigen Heizungssystemen, also Blockheizkraftwerke oder Wärmepumpen und geht weiter zur Aufbereitung von Wasser, Nutzung von Brauchwasser, Vermeidung chemischer Farben, Holz aus der Region, Reduktion von Beton. In Tegernsee hat eine clevere Deckenkühlung die Klimaanlage ersetzt. In Sylt gelang dies aufgrund der immer heisseren Sommer leider nicht. Marbella wiederum ist kilmatechnisch optimal, da wir zu dem Zeitpunkt Sonnenenergie haben, wo wir sie zur Kühlung benötigen, im Sommer.
© Alexander Haiden
Heilfasten, Supplements und das Risiko der Selbstdiagnose
DC / Auf welche Heilmethoden setzt Christian Harisch?
CH / Ganz simples Heilfasten. Da muss man auch sehr gut betreut werden. Unter anderem gilt es Blähungen zu vermeiden. Für Männer ist fasten einfacher. Der Mann ist da ein einfaches Universum (lacht). Für die Frau wird es erst nach den Wechseljahren unkompliziert. Vorher darf sie nur in der ersten Hälfte der Periode fasten. Die Hormonentwicklung muss genau beachtet werden.
Bei den Longevity-Supplements bin ich auch vorsichtig. Da gibt es Amerikaner, die nehmen 30 Tabletten jeden Tag, um ewig zu leben. Es fehlt an Orientierung. Die Abnehm-Spritze ist ein weiteres Beispiel. Man will den Body-Mass-Index optimieren, vergisst dabei, dass dadurch die Bauchspeicheldrüse massiv belastet wird. Ist eine Vorbelastung da, kann dies böse enden. Da braucht es einfach einen Arzt, der betreut.
DC / Habt ihr Supplements, die ihr empfehlt?
CH / Natürlich. Aber zuerst machen wir eine Blutanalyse. Ich muss die Werte anschauen. Gibt es eine Neigung zu Hämachromatose? Oder die Darmgesundheit. Viele Menschen wissen nicht, dass diese unmittelbar Auswirkungen auf Demenz oder Alzheimer hat. Bei Longevity gibt es zu viele selbsternannte Experten. Letzthin sah ich einen Podcast eines «Experten», der eine bestimmte Infusion empfahl. Wenn aber jemand eine Entzündung im Körper hat, einen beginnenden Krebs, boostet diese Infusion den Krebs in die Höhe. Da wird’s gefährlich. Deshalb braucht es im Dschungel von Online-Tipps eine Institution, auf welche ich mich verlassen kann. Aber mit Medikamenten wie Rapamycin, die ewiges Leben versprechen, entsteht ein Riesenmarkt.
© Alexander Haiden
Aftercare: Medizinische Begleitung auch nach dem Aufenthalt im Lanserhof
DC / Eure Kunden haben ja Vertrauen zu Euch. Wie begleitet der Lanserhof die Menschen danach?
CH / An diesem Paket arbeiten wir gerade, wir nennen es Aftercare. Nehmen wir als Beispiel ein Leberproblem. Der Patient kommt zu uns mit einem Ferritinwert von 350. Im Lauf der Kur reduzieren wir ihn auf 290. Er sollte aber weiter runter. Nun gibt es die Möglichkeit dank Trockenbluttests, dass uns die Werte per Post zugesandt werden. So können wir unsere Gäste auch zu Hause betreuen.
DC / Was ist mit den urbanen Lans Medicum Zentren?
CH / Da hatte ich mir mehr erhofft. Man kann zwar beraten, aber im Alltagsstress finden die Menschen nicht die Ruhe, die nötig ist, um langfristig wirksame Prozesse in Gang zu setzen. Da entfaltet das Resort im Urlaub eine viel höhere Wirkung. Wir müssen zunächst die Geschwindigkeit der Menschen reduzieren. Dann können wir arbeiten. In den Städten gibt es hervorragende Kliniken. Da gehen Manager hin und machen einen Check-up wie einen Reifenwechsel in der Formel 1. Bei uns kommt man in die Ruhe und sieht dann viele Dinge, die man sonst nicht erkennt. Wir haben Gäste, die bleiben drei Wochen.
Marbella – das letzte große Projekt von Christian Harisch?
DC / Wie kam es zu Marbella – und was folgt danach?
CH / Kann sein, dass dies mein letztes operatives Projekt ist und ich mich dann als Chairman of the Board zurückziehe. Loslassen ist ja auch eine Tugend. Auf Marbella freue ich mich. Ich war total fasziniert von der Genialität der Alhambra. Schon erstaunlich, was die Mauren vor über 1000 Jahren erschaffen haben. Das hat uns inspiriert. Den Eigentümer der Villa Cortesin kenne ich seit vielen Jahren. Eine traumhafte Umgebung mit einem 2km2 Areal für den neuen Lanserhof. Eine Win-Win-Situation, die sich ergeben hat.
Privater Ausgleich: Berge, Baby, Bananen-Shakes
DC / Welche privaten Leidenschaften pflegt Christian Harisch?
CH / Vor allem mein sieben Monate altes Baby, das ist mein wichtigstes «Projekt». Freizeitmässig fahre ich gerne Rad, aktuell freue ich mich riesig auf meine erste Skitour. Ich bin ein totaler Bergmensch. Der Berg ist für mich ganz wichtig. Bergwandern, Mountainbiken, Skitouren. Jeder kann sich Turnschuhe leisten und den Berg hoch laufen. Ich schnalle mir das Baby auf den Rücken und lauf den Berg hoch.
DC / Und ernährungsmässig?
CH / Ich bin kein Vegetarier, esse aber wenig Fleisch und vermeide Weissmehl. Heute gibt es auch fantastische vegane Proteinshakes. Ich mische da Blaubeeren und Bananen hinein. Und meide, wenn es geht, grosse Abendessen.
DC / Die Frage nach dem Lieblingsort ist fast überflüssig….
CH / Da gibt es gar keine Diskussion: Kitzbühel. Es ist ein Glück, hier leben zu dürfen.
Kopiert – aber nie erreicht: Was Lanserhof einzigartig macht
DC / Und die Kopien von Lanserhof?
CH / In dem Moment, wo Kopien eröffnen, glauben wir, dass wir schon wieder 10 Jahre weiter sind. Wir gehen unseren Weg weiter, investieren laufend in die Forschung. Wir bieten seriöse, hochqualitative Prävention, regenerative Medizin, Naturheilkunde in Verbindung mit Schulmedizin an, mit über 100 Ärzten und 700 Mitarbeitern. Die geben jeden Tag ihr Bestes und halten die Qualität in allen Lanserhöfen so hoch wie möglich.
Lanserhof Lans, Austria
Lanserhof Tegernsee, Germany
Lanserhof Sylt, Germany
www.lanserhof.com
Lans Medicum Hamburg
Das Team unter der Führung des ehemaligen HSV-Mannschaftsarztes Dr. Philip Catalá-Lehnen besteht aus Fachärzten für Kardiologie, Ernährungsmedizin, Innere Medizin und Rheumatologie. Ergänzt wird es um Osteopathen, Physiotherapeuten und Sportwissenschaftlern, die sich gemeinsam um alle medizinische Fragen rund um Bewegung und Regeneration befassen.
www.lansmedicum.de
Lanserhof at the Arts Club London
Londons The Arts Club Mitglieder als auch Lanserhof Gäste sollen die Möglichkeit haben, neben dem erstklassigen Fitnessstudio auch die medizinischen Angebote zu nutzen und erhalten so Zugang zu weltweit führenden Experten und innovativsten Behandlungen.

