Seit 1935, als Rosel Heim in Baden-Baden ihr erstes Kosmetikinstitut eröffnete, verbindet das Familienunternehmen Rosel Heim nature+science Naturheilkunde mit moderner Forschung. Von der legendären „Goldenen Maske“, die einst Dermatologen begeisterte, bis zu heutigen mikrobiomfreundlichen Rezepturen produziert inzwischen die dritte Generation in kleinen Chargen und begleitet jede Entwicklung mit Langzeitstudien.
Nur eine gesunde Haut ist eine schöne Haut
Im Zentrum steht eine Erkenntnis aus Jahrzehnten Forschung: Nur eine gesunde Haut ist eine schöne Haut – und gesund bleibt sie nur gemeinsam mit dem individuellen Mikrobiom. Warum das so ist, erläutert im folgenden Interview Dr. Frédérique Rosel Heim, Leiterin der Forschung und Enkelin der Gründerin.
In der letzten Zeit hört und liest man viel über das Mikrobiom der Haut im Zusammenhang mit Kosmetikprodukten. Was halten Sie davon?
Nach vier Jahrzehnten Forschung geistert der Begriff endlich durch die Werbung, doch häufig bleibt er ein leeres Versprechen. Einige Firmen rühren inaktivierte Darmbakterien in ihre Cremes und wecken damit hohe Erwartungen, die der Haut am Ende kaum nützen. Andere Hersteller greifen zwar zu Wirkstoffen, die das Mikrobiom grundsätzlich mögen, kombinieren sie jedoch mit Rezepturbestandteilen, z.B. Konservierungsmitteln oder Tensiden, die dieses zarte Ökosystem gleich wieder aus dem Gleichgewicht bringen. Kurz: Mikrobiomfreundlich steht oft drauf, ist aber längst nicht immer drin.
Warum widmen Sie als Forscherin dem Hautmikrobiom so viel Aufmerksamkeit?
Als ich in den neunziger Jahren an Kosmetikschulen über die damals noch als „Bakterienflora“ bezeichnete Lebensgemeinschaft berichtete, begegnete man mir vor allem mit ungläubigem Staunen. Seit Robert Koch Ende des 19. Jahrhunderts Bakterien als Krankheitserreger identifizierte, galten Mikroben lange Zeit als unsere natürlichen Feinde. Heute wissen wir es besser: Auf jedem Quadratzentimeter Haut tummeln sich je nach Feuchtigkeit zwischen hundert und hunderttausend Mikroorganismen. Etwa neunzig Prozent von ihnen lassen sich bis heute gar nicht im Labor kultivieren, fünf Prozent gelten als zuverlässige Symbionten und werden neuerdings gern als „effektive Mikroben“ bezeichnet. Weitere fünf Prozent besitzen das Potenzial, Krankheiten auszulösen, bleiben aber harmlos, solange das Mikrobiom im Gleichgewicht ist und die Hautbarriere ihre Arbeit tut. Nur eine gesunde Haut ist eine schöne Haut – und gesund bleibt sie nur gemeinsam mit ihren Mikroben.
Stimmt also die Formel: Geht’s dem Mikrobiom gut, geht’s auch unserer Haut gut?
Für die Abwehrleistung der Haut trifft das vollkommen zu. Ein solch komplexes Ökosystem lässt sich zwar im Handumdrehen aus der Balance bringen – denken Sie nur an aggressive Reinigungsrituale – doch der Neuaufbau dauert Wochen bis Monate. Deshalb ist der Schutz und die Wiederherstellung des Gleichgewichts des Hautmikrobioms eine der wichtigsten Aufgaben unseres regulativen Therapiekonzeptes.
Mikrobiomfreundliche Produkte
Wenn ich als Verbraucher vor dem Regal stehe – woran erkenne ich selbst ein wirklich mikrobiomfreundliches Produkt?
Viele Apps und Werbeversprechen richten den Blick auf den pH-Wert: Liegt er im leicht sauren Bereich zwischen 4,5 und 5,5, sei das Produkt gut für die Hautflora – so heißt es. Auch die Anzahl der Tenside, der Alkoholgehalt oder die Art der Konservierungsstoffe gelten als Hinweise. All das stimmt – aber nur halb. Ein gesundes Mikrobiom reguliert den pH-Wert nach einer Reinigung z.B. mit einer alkalischen Seife oft binnen 20 Minuten selbst. Gerade Produkte mit synthetischen Tensiden, die das Mikrobiom stark schädigen können, lassen sich technisch leicht in diesen „optimalen“ Bereich bringen. Entscheidend ist daher nicht allein der pH, sondern ob das Produkt die natürliche Hautbarriere wirklich erhält.
Alkohol ist nicht grundsätzlich problematisch, aber die Menge macht den Unterschied – je weiter oben er in der INCI-Liste steht, desto höher die Konzentration. Und: Die eingesetzten Fette und Öle sollten vom Mikrobiom verstoffwechselt werden können. Mineralölbasierte oder synthetische Substanzen fallen damit weitgehend heraus.
Kosmetik muss natürlich konserviert werden – besonders, wenn biologisch hergestellte Produkte industriell vermarktet werden. Aber ohne fundierte Beratung wird der Kauf zum Glücksspiel. Kosmetik ist keine Massenware. Wer sich blind durch das Regal entscheidet, handelt nicht anders, als würde er Medikamente auf eigene Faust im Supermarkt auswählen.
Mikrobiom freundliche Kosmetik
Wie schützt Rosel Heim das Mikrobiom ganz konkret?
Wir haben als Familie von Ärzten, Chemikern und Kosmetikern eine Entscheidung getroffen. Wir wollen Mikrobiom freundliche Kosmetik ernsthaft entwickeln. Dabei schalten wir eine fachkundige Person dazwischen. Das sind bei uns in regulativer Hauttherapie ausgebildete Kosmetiker:innen.
Mikrobiom und Haut beeinflussen sich wechselseitig und sind ein hochkomplexes ökologisches System, das individuell verschieden ist. Deshalb muss Hautpflege immer individuell und aktuell angepasst werden.
Wir arbeiten ausschließlich mit Substanzen, die die Haut von Natur aus kennt, und ahmen dabei ihre eigenen Regulationsmechanismen nach. Milchsäure etwa entsteht als Stoffwechselprodukt der hauttypischen Mikroben. In unseren Reinigungs- und Duschemulsionen unterstützt sie das Abstoßen überalterter Hornzellen, reguliert den ph Wert des Hydrolipidfilms und begünstigt so die freundlichen Hautkeime Unsere speziell geschulten Kosmetikerinnen passen Einwirkzeit, Dosierung und Anwendungshäufigkeit stets dem aktuellen Hautzustand an, damit jede Pflege so individuell bleibt wie das Mikrobiom, das sie schützen soll.
Haben Sie ein klinisches Beispiel, das diesen Ansatz greifbar macht?
Bei atopischer Haut, wie man sie von Neurodermitis kennt, ist die Barriere genetisch durchlässig. Dringen hier Staphylococcus-aureus-Bakterien ein, flammt eine quälende Entzündung mit starkem Juckreiz auf. Forschungen zeigten jedoch, dass bestimmte Mikroben unseres eigenen Mikrobioms die Lipidproduktion ankurbeln und gleichzeitig antimikrobielle Peptide bilden, die S. aureus direkt bekämpfen. Wir unterstützen diese körpereigene Verteidigung, indem wir die Haut zuerst mit Hyaluronsäure durchfeuchten und anschließend mit Squalan rückfetten. Ein definierter Nährstoffcocktail aus Corneolipiden, B-Vitaminen, Mineralien und Aminosäuren – bekannt als Zelloxan – liefert den Zellen darüber hinaus die Bausteine, die sie für eine schnelle Regeneration benötigen.
Was bedeutet dieses Wissen für unseren Alltag?
Das Mikrobiom ist ein unersetzbarer Teil unseres Immunsystems. Wer seinen natürlichen Lebensraum bewahrt – also mild reinigt, ausgewogen pflegt und die Haut nicht unnötig „sterilisiert“ – leistet effektive Gesundheitsvorsorge. Mit anderen Worten: Wer seinen unsichtbaren Mitbewohnern ein gutes Zuhause bietet, profitiert am Ende selbst am meisten.
Kurzvita
Dr. Frédérique Rosel Heim
Humanmedizin-Studium in Wien, anschließend Weiterbildung in Naturheilkunde. Seit dreißig Jahren leitet sie die dermatologischen Tests und Langzeit-Anwendungsstudien von Rosel Heim nature+science und forscht an der Schnittstelle zwischen moderner Mikrobiomwissenschaft und regulativer Hautpflege.
Rosel Heim
nature + science
www.rosel-heim.de
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