Play of Shapes

Piaget: Wenn Uhrmacherkunst auf Kunst trifft

Ein Event wie ein Manifest. Beim Play of Shapes–Event im Restaurant Buech in Herrliberg trafen Piagets uhrmacherische Raffinesse und kunsthistorische Präsenz aufeinander. Originalwerke aus der Galerie Bruno Bischofberger – von Warhol bis Dalí – rahmten den Event.
Damit war nicht nur der Rahmen stimmig. Es war auch ein Sinnbild. Piaget betrachtet sich nicht primär als Uhrenhersteller. Stattdessen sieht sich Piaget als Maison, in der Kunst, Kreativität und Handwerk miteinander verschmelzen.

Die Geschichte: Von der Jura-Werkstatt zur Maison der Extraleganza

Piaget wurde 1874 von Georges-Édouard Piaget in La Côte-aux-Fées gegründet, zunächst als Werkstättenbetrieb für Uhrwerke. In der Mitte des 20. Jahrhunderts erfolgte die entscheidende Erweiterung. Die Werkstätte begann, nicht nur feinste Uhrwerke zu fertigen. Sie gestaltete auch elegante Uhren und Haute Joaillerie selbst.
Ein Meilenstein war 1957 mit dem 9P–Kaliber (2 mm Dicke) – eine technische Sensation für ultraflache Konstruktionen. Später folgte der Mikrorotor-Automat (12P) – und Piaget etablierte sich als Referenz in der Feinmechanik.

Parallel dazu entfaltete sich ein gestalterischer Geist: Valentin Piaget setzte früh auf kühnere Formen und ornamentale Ausdrücke – Formen, die über das rein Funktionale hinauswiesen. So entstanden in den 1960er/70er Jahren Designs, die Farbe, Form und Dekor radikal ins Zentrum rückten. Der „21st Century Collection“ (1969) markiert eine dieser Zäsuren, bei der Uhrenformen als autonome Gestaltungselemente verstanden wurden.

Nicht zufällig traten Künstler wie Salvador Dalí in den 1960ern mit Piaget in Verbindung. 1967 lancierte Piaget gemeinsam mit Salvador Dalí die Dalí d’Or Collection, in der Medaillen des Künstlers zu Schmuckuhren verarbeitet wurden – ein deutliches Zeichen, dass Uhren und Kunst keine Gegensätze sind, sondern Ausdruck derselben Idee von Schönheit.

In den 1970er-Jahren formte Yves Piaget die Idee der Piaget Society – ein Kreis aus Künstlern, Sammlern und glamourösen Persönlichkeiten wie Jackie Kennedy, Elizabeth Taylor, Sophia Loren oder Ursula Andress. Dieses Netzwerk stärkte die kulturelle Ausstrahlung der Maison weit über die Uhrmacherei hinaus.

Im Lauf der Jahrzehnte gelang es Piaget, seine technische Exzellenz mit gestalterischer und künstlerischer Ambition zu verbinden. Die seltene Kombination von Ultra-Flachmechanik und mutigem Design machte die Marke besonders.

Der Patrimoine-Diskurs: Bewahren, Pflegen, Ausstellen

Piaget spricht konsequent von Patrimoine – einem kulturellen Gedächtnis, das nicht nur aus Uhren besteht, sondern aus Geschichten, Objekten, Kooperationsprojekten mit Künstlern und musealen Erfahrungen. Bei Jubiläumsausstellungen etwa werden historische Modelle, Originalzeichnungen und Archivstücke nebeneinander mit aktuellen Kollektionen gezeigt.

Darüber hinaus arbeitet Piaget permanent mit externen Kunstschaffenden zusammen. In jüngerer Zeit etwa mit dem Verhoeven Twins Duo in Venedig (Installation Moments of Happiness). Eine künstlerische Installation, deren ästhetische Wurzeln bei Piagets Haltung zur Form liegen.
Auch in Projekten wie Art Dubai trat Piaget als Partner auf, mit kunstorientierten Installationen und Goldthemen, was unterstrich, wie stark Marke und Kunst heute miteinander verzahnt sind.
Darüber hinaus setzt Piaget auf Nachwuchsförderung. Seit 2013 verleiht die Maison den Piaget HEAD* Young Talents Prize in Genf, um junge Designer und Kreative zu fördern.

Führung im Wandel

Bis 2017 führte Chabi Nouri die Marke (als erste Frau im Richemont-Konzern für eine Uhren-/Juweliersmarke). Unter ihrer Führung wurde eine stärkere Online-Präsenz aufgebaut – u.a. Piagets Eintritt ins E-Commerce und die Aufnahme in Net-A-Porter.
2021 übernahm Benjamin Comar die Position des CEOs. Seitdem positioniert er Piaget neu: Er spricht vom Ansatz “Extraleganza” (die Kombination aus Extravaganz und Eleganz) und strebt an, das kulturelle Kapital der Marke stärker zu aktivieren.
Ein sichtbares Zeichen: 2024 brachte die Wiederauflage der ikonischen Polo 79 mit geriffeltem Goldgehäuse – ein Modell, das den Jet-Set-Glamour der 1970er Jahre symbolisiert. Dieses Relaunch-Modell erhielt den Iconic Watch Prize beim Grand Prix d’Horlogerie de Genève. Ebenso wurde eine neue Dress-Uhr mit stufenförmigem Gehäuse vorgestellt, in Anlehnung an Warhol-Zeitmesser.

Unter Comar erscheint Piaget heute stärker als kulturelle Marke denn nur als Luxusuhrenfirma: Das kreative Erbe wird aktiviert, Vintage-Ikonen neu interpretiert und künftige Designs in Kontext von Kunst und Form gedacht.

Piaget & Art Genève – neue Partnerschaft im Kunstfeld

In den letzten Jahren hat sich Piaget verstärkt als Partner im Kunst- und Messebereich positioniert. Die Kooperation mit ART Genève – einer bedeutenden Schweizer Kunstmesse – belegt diesen Ansatz. Diese Partnerschaft erlaubt Piaget, im direkten Dialog mit Sammlern, Galerien und Kunstinstitutionen aufzutreten – und nicht nur als Uhrenfirma sichtbar zu sein.
Diese Verbindung von Uhren, Kunst und Messe schafft eine Bühne, auf der Piaget seine kulturelle Rolle aktiv gestaltet – sie erweitert das Feld der Marke über ihre Produkte hinaus.

Der Kontext des Play of Shapes – im Licht dieser Geschichte

Der Event im Restaurant Buech war nicht bloß ein Launch-Event: Er war Ausdruck eines Markenkerns, der sich entlang von Technizität, Formensprache und Kunst bewegt. Wenn Bischofbergers Galeriewände Werke von Warhol, Dalí und anderen Meistern zeigen, ist das mehr als Dekoration – es symbolisiert eine Tradition.

Die neuen Modelle wie Sixtie, die trapezförmige Geometrie wieder aufgreifen, sind nicht einfach Stilübungen, sondern Fortführungen eines Reflexionsprozesses: Formen sind nicht nur Cases, sondern Verbindungspunkte von Kultur, Erinnerung und Innovation.

Alain Borgeaud, als Patrimoine-Verantwortlicher der Maison, trägt die Aufgabe, diese Brücken sichtbar und erlebbar zu machen – so dass ein Event wie Play of Shapes zum Moment der Begegnung wird: zwischen Vergangenheit, Gegenwart und künftiger Gestaltung.

Fazit

Piaget ist heute mehr als je zuvor eine Maison, die der Kunst offensteht – nicht nur indem sie Künstler einbindet, sondern indem sie selbst Teil des kulturellen Diskurses wird.
Unter seiner neuen Führung und durch strategische Partnerschaften mit Kunstinstitutionen bewegt sich Piaget entlang einer Linie, die Handwerk, Ästhetik und künstlerische Relevanz verbindet.


Der Play of Shapes–Event ist ein exemplarischer Moment dieser Identität – und ein Hinweis darauf, wie Luxus, Kunst und Zeitmessung in Zukunft verschmelzen könnten.

PIAGET

GALERIE BRUNO BISCHOFBERGER

ART GENEVA

RESTAURANT BUECHaute école d’art et de design – Genève
(auf Deutsch: Hochschule für Kunst und Design Genf)

* Haute école d’art et de design – Genève
(auf Deutsch: Hochschule für Kunst und Design Genf)

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