Ankommen in der Schweiz – die stille Kunst der Relocation

Ralph Schuler über Vermögen, Lebensqualität und die neue Generation internationaler Familien

Als CEO Tax & Fiduciary Services | Partner bei swisspartners verkörpert Ralph Schuler jene Mischung aus Präzision, Diskretion und Nähe, die das Zürcher Haus seit mehr als drei Jahrzehnten prägt. swisspartners gehört zu den führenden unabhängigen Wealth-Advisory-Firmen des Landes – mit ausgewiesener Expertise in Tax, Fiduciary, Asset Protection und internationaler Vermögensstrukturierung. Wenige kennen die Beweggründe vermögender Familien so genau wie er – und wissen, was es heisst, in der Schweiz nicht nur anzukommen, sondern auch heimisch zu werden.

Herr Schuler, herzlich willkommen. Sie sind hier am Schanzengraben mitten in Zürich zuhause. Für alle, die Sie noch nicht kennen – stellen Sie sich kurz vor.

Ralph Schuler:
Mein Name ist Ralph Schuler. Ich leite bei swisspartners die Abteilung Treuhand & Immobilien, bin Mitglied der Geschäftsleitung der gesamten Gruppe und kümmere mich um Privatpersonen und deren Unternehmungen. Dazu gehören selbstverständlich auch Fragen der Relocation und des Umzugs.

Wie hat sich das Thema Relocation in den letzten Jahren entwickelt?

Früher war der Zuzug häufig auch steuerlich motiviert. In der jüngeren Vergangenheit hat sich das klar verändert. Viele Menschen verlegen ihren Wohnsitz heute aufgrund der Lebensqualität, der Schulen, der öffentlichen Infrastruktur oder der Nähe zu internationalen Flughäfen. Der steuerliche Hintergrund steht nicht mehr im Zentrum.

Menschen verlagern heute nicht nur ihr Kapital, sondern ganze Lebensentwürfe in die Schweiz. Was bedeutet das für Sie?

Ich erlebe diese Entwicklung als sehr positiv. Viele Kinder gehen heute in öffentliche Schulen, nicht nur in Privatschulen. Die Bereitschaft, sich zu integrieren, ist deutlich gestiegen – und das ist aus Sicht der langfristigen Planung eine sehr gute Entwicklung.

Viele Länder – Dubai, Monaco, Singapur – buhlen um dieselbe Klientel. Worin unterscheidet sich die Schweiz?

Man sollte Italien und Portugal ebenfalls erwähnen. Viele Zuzüger haben bereits einen engeren Bezug zur Schweiz, etwa durch Eltern, Ferienhäuser oder frühere Schuljahre hier. Jeder Standort hat seine Vorteile – aber die Schweiz punktet klar bei Lebensqualität, Schulen, Sicherheit und Infrastruktur. Das bestätigt auch die Mercer-Studie, in der Zürich und Genf regelmässig Spitzenplätze belegen. Der rein steuerlich motivierte Umzug geht eher in andere Regionen.

Hat sich die Welt zugunsten der Schweiz verändert?

Teilweise ja. London hat etwa steuerliche Änderungen erfahren – der Non-Dom-Status wurde angepasst. Das hat viele Menschen zur Neuorientierung gebracht, einige auch in die Schweiz. Gleichzeitig bieten Länder wie Italien oder Portugal attraktive Modelle. Die Schweiz überzeugt jedoch mit Vorteilen, die nicht monetär sind: Lebensqualität, Ruhe, Sicherheit. Viele suchen nach einer intensiven Karriere ein ruhigeres Umfeld – und das bietet die Schweiz nach wie vor.

Wie wichtig sind politische Stabilität und Rechtssicherheit der Schweiz?

Sehr wichtig. Andere Länder passen Spezialsteuerregimes schneller an. Die Schweiz ist bekannt für stabile Gesetzgebungen, was vielen Menschen Sicherheit gibt. Auch im Hinblick auf aktuelle Abstimmungen hat die Schweiz bisher stets eine gute Balance zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen gefunden.

Wie wichtig ist heute noch die Pauschalbesteuerung?

Die Aufwandbesteuerung bleibt relevant. Eine frühere Abstimmung auf Bundesebene hat sie mit rund 60 Prozent bestätigt. Die Pauschalsteuer ist für viele ein erleichterter Eintritt in die Schweiz und vereinfacht die Steuerdeklaration. Interessant ist, dass viele meiner Kunden später in die ordentliche Besteuerung wechseln – oft, weil sie wieder aktiver werden wollen oder die Deklaration als einfach genug empfinden. Bei mir ist es ungefähr fünfzig-fünfzig.

Die Öffentlichkeit hat davon oft ein falsches Bild.

Ja. Viele bleiben auch nach der Abschaffung der Pauschalbesteuerung im Kanton Zürich hier und versteuern ordentlich. Ein Zuzug in die Schweiz ist komplex: Man muss den Wohnsitz verlagern, Zelte abbrechen – das hat eine starke persönliche Komponente. Die Kundschaft hat sich verändert: Es geht heute weniger um reine Optimierung, mehr um Lebensstandard und Lebensumfeld.

Relocation ist administrativ anspruchsvoll – Aufenthaltsrecht, Versicherung, AHV, Wohnung. Wie begleitet swisspartners diesen Prozess?

Neben der steuerlichen Beratung geht es stark um „Soft Factors“. Unser Netzwerk spielt dabei eine grosse Rolle: Versicherungsbroker, die wissen, was spezielle Bedürfnisse sind; Experten für Kunst- oder Fahrzeugversicherungen; Unterstützung bei der Schulwahl; und natürlich das grosse Thema Wohnung. Der Wohnungsmarkt in Zürich, Zug oder Schwyz ist für Zuzüger extrem anspruchsvoll. Wir begleiten die Menschen sehr eng, oft mit Zwischenlösungen oder über unser Netzwerk ausserhalb des offenen Marktes. Diese Soft-Faktoren sind oft wichtiger als die steuerlichen.

Entstehen daraus langfristige Kundenbeziehungen?

Ja. Man lernt die Familien kennen, begleitet sie, schützt sie auch vor Fehlentscheiden oder unseriösen Kontakten. Der Prozess ist anspruchsvoll – da entsteht Nähe und Vertrauen. Wenn sich ein Partner nicht wohlfühlt, wird es schwierig. Das berücksichtigen wir sehr bewusst.

Gibt es einen Unterschied zwischen jüngerer und älterer Klientel?

Unsere Klienten sind keineswegs nur im Rentenalter. Viele sind zwischen 35 und 60, manche jünger. Covid hat dazu geführt, dass Menschen anders arbeiten – freier, globaler. Heute kommen Kunden bereits mit klaren Vorstellungen: „Ich möchte nach Nidwalden“, „nach Luzern“, „in den Aargau“. Sie informieren sich gezielt im Vorfeld, reisen herum, kennen die Orte – das war früher weniger ausgeprägt.

Wie gehen Sie mit Multi-Domizil-Klienten um – Menschen mit mehreren Lebensmittelpunkten?

Wir müssen klar unterscheiden zwischen zivilrechtlichem und steuerlichem Wohnsitz. Unsere Aufgabe ist es, einen eindeutigen Lebensmittelpunkt zu definieren und so zu leben, dass er bei Rückfragen belegbar ist. Bei mehreren Wohnsitzen entstehen leicht Risiken. Wir hatten Mandate, die wir beendet haben, wenn keine klare Struktur möglich war. Auch Themen wie Lex Koller spielen eine grosse Rolle.

Wie gelingt der Umgang mit Transparenz, Datenschutz und regulatorischen Vorgaben?

Transparenz ist unverzichtbar. Wer in der Schweiz Wohnsitz hat, muss weltweites Einkommen und Vermögen deklarieren. Kunden legen uns ihre weltweiten Verhältnisse offen, und wir zeigen auf, welche Elemente nur satzbestimmend sind und welche steuerpflichtig. Das funktioniert gut – auch, weil die Kunden diese Transparenz von den Banken her kennen.

Andere Länder werben mit Golden-Visa-Programmen. Braucht die Schweiz so etwas?

Aus meiner Sicht nein. EU/EFTA-Bürger haben ohnehin einen Rechtsanspruch. Für Drittstaaten gibt es klare Regeln. Das schützt unsere limitierten Ressourcen – Land, Immobilien, Strukturen. Die Schweiz sollte das nicht überstrapazieren.

Gibt es persönliche Geschichten aus Ihrer Tätigkeit, die Ihnen geblieben sind?

Jeder Fall ist anders. Oft geht es um Details, die extrem wichtig sind – etwa umzugspflichtige Oldtimer mit hohem Wert. Solche Themen sind oft wichtiger als Steuern: die richtige Behandlung von Umzugsgut, das Timing, Versicherungen. Und natürlich die Frage, wo man lebt und warum. Diese menschlichen Elemente machen das Ganze spannend.

Wie gelingt Integration? Und woran erkennt man, dass jemand in der Schweiz angekommen ist?

Einige suchen Anonymität und Ruhe – gerade nach Jahren in Finanzmetropolen. Andere wollen sich unbedingt integrieren: über Kinder in Schulen, Skiclubs, Musikvereine, Engagement in der Gemeinde. Viele bringen grosse Erfahrung mit und möchten etwas zurückgeben. Wenn diese Menschen ein Haus umbauen, lokale Handwerker beschäftigen und die Schweiz oft besser kennen lernen als wir selbst – dann sind sie angekommen.

Welche Herkunftsländer dominieren aktuell?

Es gab Phasen: viele Schweden, dann Deutschland, dann England (Non-Dom-Thematik), Norwegen immer wieder. Oft sind Gesetzesänderungen der Auslöser. Gleichzeitig gibt es viele, die nach intensiver Prüfung entscheiden: „Nein, ich bleibe, wo ich bin.“ Der Schritt ist gross – es geht fast immer um ganze Familien.

Wie lange dauert ein vollständiger Relocation-Prozess?

Die Entstrickung dauert meist sechs Monate oder länger – oft bis zu einem Jahr. Es ist ein komplexer Prozess auf vielen Ebenen.

Infokasten – swisspartners

swisspartners group zählt zu den führenden unabhängigen Wealth-Advisory-Häusern der Schweiz mit Sitz in Zürich. Seit über drei Jahrzehnten begleitet die Gruppe internationale Privatkunden, Unternehmerinnen und Unternehmer in Fragen der Vermögensstrukturierung, der Steuer- und Nachfolgeplanung sowie der Treuhand- und Immobilien-Themen.

Zum Leistungsangebot gehören unter anderem Tax- und Fiduciary-Services, Asset Protection, Family-Governance-Lösungen und grenzüberschreitende Strukturen. Dank ihres Netzwerks in der Schweiz und im Ausland kann swisspartners Relocation-Fragen immer im Kontext der gesamten Vermögens- und Lebenssituation ihrer Klientel betrachten – von der Wahl des Standorts bis zur langfristigen Vermögensarchitektur.

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