In unserem dritten Teil über das außergewöhnliche Kosmetikunternehmen Rosel Heim aus dem Schwarzwald unterhalten wir uns mit Frau Dr. Nana Heim, die Chemikerin der Familie.

Liebe Frau Dr. Heim, Sie haben Ihre Doktorarbeit über (ich zitiere) die Strukturaufklärung und anschließenden enatiomerenreine Totalsynthese des Flechtenmakrolid Aspicilin im renommierten auf Naturstoffsynthese und Photochemie spezialisierten Arbeitskreis von Prof. Dr. Gerhard Qumkert geschrieben.War da ein Werdegang in der Arzneimittelforschung nicht vorprogrammiert?
Ja eigentlich schon, aber gegen Ende meiner Doktorarbeit ist eine bis dahin völlig neue Krankheit aufgetreten: AIDS. Die Menschen starben nicht am Virus, sondern ihr Immunsystem war plötzlich nicht mehr in der Lage, sich gegen banale Infekte zur Wehr zu setzen.
Und wir Wissenschaftler erkannten, dass wir über unser Immunsystem so gut wie nichts wussten. Das Immunsystem und sein Zusammenspiel mit dem Hormon- und Nervensystem hat mich seither nicht mehr losgelassen.
Die Haut und Kosmetik
Nun, das erklärt aber nicht, warum wir Sie jetzt ausgerechnet in einer Kosmetikfirma finden.
Bis heute ist den meisten Menschen nicht bewusst, dass unsere Haut Teil des stationären Immunsystems ist. So können alle Zellen der Oberhaut, auch Epidermis genannt, den „Dienstausweis“ des Immunsystems vorweisen und sind damit fester Bestandteil dessen. Außerdem befinden sich in der Epidermis durchschnittlich doppelt so viele T-Zellen als im Blut.
Das gilt aber doch sicher nicht für die oberste Hornschicht, das Objekt der Kosmetik. Es handelt sich doch hier um abgestorbene Zellen.
Die äußere Grenzschicht unserer Haut, die Hornzellen sind so tot, wie Frauen nach der Menopause. Ich würde Frauen jenseits der Menopause nicht als „abgestorben“ oder totes Gewebe bezeichnen. Die Hornzellen haben zwar keinen Zellkern mehr und können sich deshalb über Teilung nicht mehr reproduzieren, aber es ist nachgewiesen, dass sie nach Fremdzellenkontakt das Komplement auslösen können und einen wichtigen Beitrag zu unserer Verteidigung gegen Krankheitskeime leisten.
Aber die gesamte Epidermis ist doch gar nicht durchblutet und hat somit mit dem restlichen Körper auch so gut wie keinen Kontakt.
Bei Funktionieren unseres Immunsystems ist das Vorhandensein von Blut nicht alles. Die Epidermis enthält mehr Immunzellen als unser Blut und ist keineswegs so statisch wie man sich das allgemein vorstellt. Im Gegenteil: über unsere Haut bekomme ich einen wesentlich schnelleren Zugang zu unserem Immunsystem als über Blut.
Wie funktioniert dieser schnellere Zugang?
Alle Zellen in der Epidermis sind immunkompetent, sind also eigentlich schon unser Immunsystem. Darüber hinaus gibt es spezielle bewegliche Zelltypen wie z.B. die Langerhanszelle, die in den äußeren Regionen der Epidermis platziert, nur darauf wartet, fremde Stoffe zu erkennen und sie so schnell wie möglich im nächstgelegenen Lymphknoten zu präsentieren, damit eine Abwehrreaktion eingeleitet werden kann. Schnell bedeutet hier unter 4 Minuten, so schnell wie Blut dieselben Stoffe gar nicht transportieren kann.

Die Haut und das Immunsystem
Das bedeutet, dass alle Stoffe, mit denen wir Kontakt auf und in der Haut haben, fast unmittelbar Kontakt mit unserem Immunsystem haben?
Das ist richtig. Unsere Immunsystem beurteilt unseren Kontakt nach außen fast in „Echtzeit“. Manchmal erfolgt die Reaktion unmittelbar und sofort, manchmal an anderer Stelle verzögert.
Dafür muss man wissen, dass unser Immunsystem im ständigen Austausch mit dem Hormon- und Nervensystem steht.
Wenn zum Beispiel aus rein „kosmetischen“ Gründen die Haut aufgehellt werden soll (Pigmentflecken), wird u.a. die Melaninausschüttung der Melanozyten verhindert. Was reine „Kosmetik“ sein soll, ist ein eklatanter Eingriff in das Hormonsystem des Proopio melano cortin Komplex. Die verminderte Melaninausschüttung vermindert die Leptin gesteuerte Gewichtsregulation, es kommt zu Übergewicht, auch die Endorphine werden gestört, es kommt zu Depressionen – die Nebennierenhormone werden gestört und die Infektabwehr vermindert sich – und dies alles nur mit Kosmetikanwendungen in der Epidermis.
Und was bedeutet das für Ihre Arbeit?
Wenn man dies weiß, muss man sich Gedanken machen, welche Nebenwirkungen Substanzen haben, die man auf die Haut aufbringt. Meiner Meinung nach ist ein sehr hoher Wissensstand nötig, um die Haut wirklich zu pflegen – im Sinne einer wirklichen Verbesserung. Täglich werden neue Erkenntnisse zu den Abläufen und den Zusammenhängen auf und in unserer Haut publiziert. Für einen einzelnen Menschen ist es fast unmöglich, immer auf dem neusten Stand zu sein, deshalb ist es schön, in einer Familienfirma zu arbeiten, in der wir uns täglich austauschen, diskutieren, streiten und den richtigen Weg suchen. Denn wir sind uns unserer hohen Verantwortung bewusst, unseren Kunden einen, wie meine Oma es nannte, sicheren und sanften Weg in der Pflege zu ermöglichen.
Vielen Dank für das Gespräch.
www.rosel-heim.de
76530 Baden-Baden | Deutschland


[…] der Kosmetik bezeichnet man üblicherweise als Regeneration, wenn neue Zellen gebildet werden.Entweder wird die […]