Balance

SLOW FASHION by RAFAEL KOUTO

In seinem Atelier in Zürich macht der Schweizer Modedesigner Rafael Kouto Neues aus Altem, Begehrenswertes aus Nicht-Mehr-Gewolltem. Mit seinem Up-cycling-Ansatz, den er mit einer afro-europäischen Hybrid-Ästhetik verbindet, trifft er einen Nerv der Zeit.

Rafael Kouto - eine Inspiration
Rafael Kouto – eine Inspiration

Fashion Waste & Upcycling

Am Anfang eines Projekts steht oft eine Irritation. Etwas, das einen stört, aber für das es keine Lösung zu geben scheint. Etwas, das Fragen aufwirft. Bei Rafael Kouto war es das Infragestellen gängiger kreativer Prozesse in der Modebranche: „Ich habe nicht verstanden, wie es sein kann, dass Vintage-Teile aus neuen Stoffen hergestellt werden, wenn es so viele Textilien gibt, die Tag für Tag weggeschmissen werden.“ Im Zuge seines Abschlusses in Fashion Matters am renommierten Sandberg Institut in Amsterdam wollte er Alternativen aufzeigen. So entstand seine Masterarbeit – eine Kollektion aus vermeintlichem Abfall. Und die Dinge nahmen ihren Lauf. 

Kollektion aus “Modeabfall”

Seit 2017 hat Rafael sein eigenes Atelier in Zürich. Hier produzierte er seine ersten beiden Kollektionen. Den Prototyp der Debutkollektion „All the nothing that will remain“ und den Customization Online Shop unterstützte Pro Helvetia, eine Schweizer Stiftung. Er stellte sie in Mailand aus – und wurde prompt mit dem Schweizer Designpreis 2018 ausgezeichnet. Berichte in der Vogue, Elle, der Neuen Zürcher Zeitung und vielen anderen folgten. Die zweite Kollektion ist eine Couture-Kollektion und nennt sich „Suspended bodies that will never fall“. Sie versteht sich als kritischer Kommentar zum Klimawandel und der unsicheren politischen Lage in der Welt, als in Kleidung übersetzte Visionen einer apokalyptischen Zukunft. Sie brachte ihm den Swiss Design Award 2019 und den Internat. Talent Support ein. Es folgte die hoch begehrte Collaboration bei Lotto Sports und Diesel. Der Hype um den Designer, der im Rahmen des Bachelor am Institut für Mode Design (FHNW-HGK Basel) ein Praktikum bei Alexander McQueen absolvierte, wächst – wie die Kleiderberge an nicht mehr getragener Kleidung.  

Designawards & Inspirationen

Ein Hype, der nicht nur den höheren Absichten und der Liebe zur Nachhaltigkeit zu verdanken ist, die den Designer antreiben, denn: „Die Ästhetik kommt zuerst.“ Seinen Stil bezeichnet er als Hybrid aus afrikanischer und schweizerischer Ästhetik. Er reflektiert seine Identität: Die Mutter Schweizerin, der Vater aus Togo, die Großmutter aus Italien. „Die zeitgenössische afrikanische Kunstszene arbeitet viel mit Upcycling – auch daher kam die Inspiration.“ Die Kleidung für die Unikate – Kleider, Hosen, T-Shirts, Taschen, die meisten davon Unisex – bekommt er von der Schweizer Textilsammelstalle Texaid, die, aufgrund der Unmengen an Textilien, die dort täglich eintrudeln, eine Vorauswahl nach seinen Vorstellungen trifft. 

Nachhaltigkeit & individuelle Kreationen

Die weitere Verarbeitung findet 100% Swiss Made statt, der Druck bei TSD und die Produktion bei der Thuner Manufaktur von Sabine Portenier. Rafaels Kreationen befriedigen aber auch ein weiteres Zeitgeist-Bedürfnis, nämlich jenes nach Individualität: Kunden können sich online gewünschte Textilien/Farben auswählen, aus denen Rafael etwas Neues machen soll. Customization sagt er dazu. „Wenn die Leute mitmachen beim Kreationsprozess, erhöht sich für sie der Wert der Kleider. Es ist ein aktuelles Problem in der Branche, dass wir distanziert sind vom Wert eines Kleidungsstücks – das eine kostet zehn Euro, das andere 700.“ Deshalb hält er auch Workshops (zB Textilwerk Winterthur), um Bewusstsein herzustellen für den Wert der Hose oder des Shirts, die man so gerne trägt. „Für mich ist Kleidung etwas Lebendiges, das man mit der Zeit anpassen kann.“ Oder in etwas Neues umwandeln. 

  • Stripes-on-ice
  • Rafael Kouto – Inspired by mountains
  • Ice-Lightning
  • Black-and-White
  • Flying high
  • Balance

www.rafaelkouto.com

Martha Miklin
Martha Miklin

Danke an:

Photography: Jean-Vincent Simonet
Model: Saviour A, Time Model agency
Hair and Make up: Lilith Amrad
Art direction: Mark Bryan Kenney
Styling and casting: Eloïse Santschi

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