Rolf Sachs an seiner Hausbar im Olympiahaus in St. Moritz

Rolf Sachs

Rolf Sachs, ein Name der klingt, der Vater und Lebenskünstler Gunter Sachs hallt nach. An einem Ort der Stille, dem Olympiahaus in St. Moritz, besuchen wir den mehrfachen Familienvater.
Eine herzliche entspannte Begrüssung offenbart schnell den Kosmopoliten, ein Haus voller Installationen und Designobjekte den Ästheten und Künstler.

Rolf Sachs an seiner Hausbar im Olympiahaus in St. Moritz
Rolf Sachs an seiner Hausbar im Olympiahaus in St. Moritz

Rolf Sachs, der Cosmopolit? Mit einem leicht französischen Accent?

“Sie haben ein gutes Gehör. Ja ich hatte das Glück, in verschiedenen Ländern aufzuwachsen. Nach dem frühen Tod meiner Mutter kam ich nach Kronberg im Taunus. Die Hessen sprechen das „sch“ wie die Franzosen aus… Später kam ich an den Genfersee zurück. Nach dem Lyceum in Zuoz zog es mich nach London an die School of Economics. Insgesamt fühl ich mich als Europäer.
Das Schöne an Europa ist, dass wir doch in kurzer Zeit einen weiten Weg zurückgelegt haben. Vor 100 Jahren war die Schweiz noch ein armes Land, in welchem die reichen Engländer den Tourismus inszenierten. In Bayern beäugten sich Katholiken und Protestanten misstrauisch. Nach einem Weltkrieg erkämpften wir uns die Freiheit, dass in einem vielfältigen und abwechslungsreichen Europa jeder seinen eigenen Lebensstil pflegen kann. Wir vergessen manchmal, dass wir mit der EU in wenigen Jahrzehnten Riesenfortschritte erzielt haben. Gerade aus Sicht von Künstlern ist es toll, wenn wir Grenzen nicht nur physisch, sondern auch in den Köpfen abschaffen. Die Kulinarik zum Beispiel ist dadurch überall bereichert worden, junge Menschen begegnen einander offen – bei aller Kritik hat sich Europa von einem Gegeneinander zu einem Miteinander hin bewegt!”

Alpine Einflüsse?

“Die alpine Kultur, welche aufgrund der harten Lebensbedingungen immer auch eine Überlebenskultur war, hat etwas unglaublich Starkes in sich. Bayrische wie Engadiner Häuser sind gebaut, um sich gegen meterhohen Schnee zu stemmen. Zirben – oder Arvenbäume sind die Verkörperung der alpinen Urkraft, die unter widrigsten Bedingungen wachsen und extrem alt werden.
Ich habe als Bub auf der Lenzerheide noch Heu gemäht. Ganz einfache Alltagsgegenstände wie „Milchkesseli“ oder Heugabeln haben eine ganz eigene Asthetik und immer eine Faszination auf mich ausgeübt, welche ich in meiner Kunst aufgenommen habe. Die Inspiration hole ich mir aber auch aus dem Gegensatz mit dem urbanen Umfeld, kehre jedoch immer zu den alpinen Wurzeln zurück. St. Moritz ist manchmal zu perfekt, zu schön, da fehlt die Spannung. Grossstädte wie London oder Berlin erzeugen wieder die notwendige Spannung, um kreativ zu werden. Auch Giacometti musste weg nach Paris. Künstler waren immer unterwegs, auf der Suche nach der Vielfalt der Eindrücke. Dann giesst man diese in eine eigene künstlerische Sprache.”

Was hat Rolf Sachs im Ursprung angetrieben?

“Ich war bereits als Jugendlicher extrem kreativ, habe Modellierkurse gegeben, fotografiert, entwickelt, Ausstellungen organisiert, Schulfilme gemacht. Es dauerte lange, bis ich mich selber wirklich als Künstler empfand und daraus Kraft schöpfte. Logisch, dass die Menschen kritisch reagieren, wenn man sich als Sohn von Günter Sachs zum Künstler macht (jetzt muss der Sachs auch noch Kunst machen …). Das war ein Ringen um die eigene Identität, die sich jetzt immer mehr künstlerisch entlädt. Gefühlsmässig stehe ich am Anfang meiner Künstlerlaufbahn. Meine eigene Geschichte, welche mich immer wieder schubladisierte, führte mich übrigens auch zur Überzeugung, dass Toleranz und Offenheit eines unserer höchsten Güter ist.”

Künstlerische Orientierung und Vorbilder?

“Das beginnt bei Bauhaus, geht über Minimalismus, Dadaismus bis zum Surrealisten Marcel Duchamp, der die Kunstwelt auf die Schippe nahm, mit einem Lächeln. Humor, eine gewisse Leichtigkeit des Seins mit Tiefgang zu verbinden, betrachte ich als die eigentliche Herausforderung. Zeitgenössich ansprechend finde ich Fischli & Weiss. Der Stein, der im „Saltz“ Restaurant im Dolder am Seil hängt anstelle des Seils am Felsen, ist eine typische augenzwinkernde Umkehrung der Verhältnisse, wie ich sie liebe.”

Die Kugellager, das Familienerbe, wurde künstlerisch noch nicht umgesetzt?

“Mit den Kugellagern bin ich nie wirklich in Berührung gekommen. Mein Ur-Ur-Grossvater Opel hatte nie mit Autos zu tun, sondern war damals der weltgrösste Fahrradhersteller. Mein Ur-Grossvater Sachs erfand die Freilaufnabe. Heute wohne ich im Olympiahaus, kaufte letzthin ein Olympiabuch, schlug es auf und auf der ersten Seite war eine Werbung meines Grossvaters für den Freilauf (lacht schallend). So klein ist die Welt. Das Fahrrad als Kunstobjekt holt mich vielleicht noch einmal ein.”

Und die Zukunft?

“Rom, Malen, Skulpturen, Möbel machen. Kreative Produktionen. Ich bin kein Designer, sondern Künstler. Bei meinen Möbelinstallationen geht es nicht um Dekoration, sondern um Emotion. Das gilt für das Saltz im Dolder wie für die Installation Splendurir im Hotel Walther in Pontresina. Solche Einzel-Installationen von ganz „einfachen Milchkesseli“ beinhalten eine enorme Kraft und Symbolik. Irgendwann ergibt sich daraus wahrscheinlich eine Ausstellung, in der die hängenden Kesseli die offenen Seelen und die umgedrehten Kessel die geschlossenen Seelen darstellen.”

rolfsachs.com

Daniel Chardon
Daniel Chardon

im Gespräch mit Rolf Sachs in seinem Olympiahaus in St. Moritz, welches er zu seinem eigenen Universum umgestaltet hat.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

%d Bloggern gefällt das: