Häusler – die Kunst der Passion

Wolfgang Häusler ist einer dieser Galeristen der alten Garde, die unmittelbar Vertrauen erwecken.
Die innere Passion strömt aus allen Poren. Wenn er ins Schwärmen kommt, geschieht dies leise und zurückhaltend.

Wie wird man Galerist?
Ich wurde im Elternhaus früh mit Kunst konfrontiert, wälzte mich durch unsere Kunstbücher-Bibliothek. Das hinterliess eine Memorierung von Bildern, die mich prägte. Künstler zu werden, fanden meine Eltern gar keine tolle Idee. Mit 16 Jahren verschlang ich die Biografie von Daniel-Henry Kahnweiler, dem legendären Händler von Braque, Léger und Picasso. «Dann werde ich der Kahnweiler meiner Zeit», verkündete ich überschwänglich! Mit 17 und 18 Jahren machte ich dennoch selber Kunst, Performance, Skulptur, Text. Das war die Zeit von Handkes Publi­kumsbeschimpfung. Ich war wohl ähnlich aufmüpfig wie der sozialkritische Schriftsteller Franz Michel Felder, der mich beeindruckte. Ich bewegte mich im Spannungsfeld zwischen Kleinbürgertum, den Wiener Aktionisten und Literaten wie Monika Helfer.

Dieses Spannungsfeld zog sich fort?
Genau, ich begann eine Banklehre, was sich im nachhinein als gute Basis erwies, denn gerade als Galerist muss man gut mit Geld jonglieren können, auch wenn die wenigsten darüber sprechen. Parallel entwickelte ich mich zum Künstler, stellte in wichtigen Kunsthäusern Österreichs aus, weigerte mich aber, meine Werke zu verkaufen, weil ich mir immer der Verantwortung im Verhältnis zwischen Künstler und Sammler bewusst war. Diese Verantwortung zur Weiterentwicklung wollte ich nie übernehmen. Ich wollte frei bleiben. Meine Kleider-Skulpturen im öffentlichen Raum erregten zudem die Gemüter – das war vielleicht eine heilend-schockierende Erfahrung.

Und die Bank?
Da war ich ziemlich erfolgreich. Ich genoss viel Freiraum, durfte kreativ, produktgestalterisch tätig sein, brachte da schon Kunst und Architektur zusammen, entwickelte Projekte, in welchen es um «Gemeinsames Bauen» ging. Nach 20 Jahren auf der Bank zog es mich 1988 zurück zur Kunst. Meine Frau unterstützte mich auf diesem «sozialen Abstieg» (lacht) – ich eröffnete mein Büro für Kunst- und Kulturberatung, unterrichtete gleichzeitig in Linz Kulturmanagement. Da realisierte ich, wie schlecht sich Künstler vermarkten und diese Kommunikationslücke zwischen Auftraggebern und Künstlern wollte ich füllen. 1992 übersiedelte ich nach München, eröffnete hier meine erste Galerie.

Die Tätigkeit in der Beratung zwischen Kunst und Architektur, zwischen privaten Sammlern, Museen, Institutionen und Unternehmen sollte mich fortan begleiten.

Lichtkunst

Wann kam James Turrell ins Spiel?
1992 wurde ich nach Paris eingeladen. Es ging um das Bühnenbild Red Eye von James Turrell für die Oper «To be sung» von Pascal Dusapin, es sollte allenfalls verkauft werden. (lacht) Was sich als unmöglich herausstellte, er hat ja nur mit Licht gearbeitet. Aber ich lernte Turrell persönlich kennen. Sensationell, wie der damals Kunst verhandelt hat:
Auf der einen Seite des Tisches sassen die französischen Intendanten der Oper und erklärten wortreich ihre Vorstellung des Bühnenbildes. Auf der anderen Seite Turrell, in Jeans mit Cowboy-Hut und Cowboy-Stiefeln, der ganz trocken zuerst mal seine Forderungen platzierte. Das waren die Franzosen nicht gewohnt, am Ende klappte aber alles und das sensorische Erlebnis war denn auch beeindruckend.

Mich inspirierte diese Ambivalenz zwischen Kunst und Kommerz. Die Kraft, die ich daraus schöpfe, treibt mich heute noch an. 1997 holte ich Turrell mit einer Lichtinstallation zur Eröffnung des von Architekt Zumthor neu gestalteten Kunsthauses Bregenz. Von da weg begleitete uns ein tiefes Vertrauensverhältnis. Wir arbeiten nun seit 25 Jahren zusammen.

Wolfgang Häusler und Performance Art?
Eine der besten Performances, die mir bis heute in Erinnerung geblieben ist, war diejenige mit Wolfgang Flatz bei der Leichtathletik-WM 1993 in Stuttgart. Porsche ging es damals schlecht und Flatz konzipierte um ein Containerdorf auf dem Schlossplatz in Stuttgart ein VIP-Areal, das von 125 weissen und 125 schwarzen Porsche umzingelt wurde. Nach dem Motto: Schimmelparade (lacht). Die Leute waren natürlich hin und weg, bei der Auffahrt waren Teile von Stuttgart gesperrt, durch die sich die 250 Porsche bewegten. Eindrucksvolle Performance Art. Da gab es eine nette Anekdote: Wir sassen mit dem Baden-Württembergischen Ministerpräsidenten Erwin Teufel und einigen Beamten zu Tisch für das Konzept und die Vertragsunterschrift. Flatz hatte seine Dogge dabei, die nervös rumschnüffelte. Da ruft der Flatz:
«Hitler, Platz!»
Und der Teufel zuckt zusammen!
Dem Flatz seine Dogge hiess nämlich Hitler! Und Teufel mussten wir danach zuerst mit einigen Erklärungen beruhigen.

Die Galerie Häusler Contemporary

Dann kam die Galerie-Phase?
Ab 1997 widmete ich mich mehr der Galerie, arbeitete mit Künstler:innen wie Mary Heilmann, David Reed, Hamish Fulton, Jürgen Partenheimer, Keith Sonnier, Judy Ledgerwood, Gary Kuehn, Brigitte Kowanz. 2007 eröffnete ich die Zürcher Galerie „Häusler Contemporary“, die nach einer konzeptuellen Idee von James Turrell umgebaut wurde. Parallel haben wir im Lauf der Jahre viele Projekte realisiert, gerade die Lichtkunst benötigt da meist ein ganzes Team von Designern, Ingenieuren, Lichtspezialisten.

Welche weiteren Künstler haben Wolfgang Häusler geprägt?
Weitere Lichtkünstler! Weil wir die Sammlung von Zumtobel betreut haben. So kam ich immer wieder mit dem Thema Lichtkunst in Kontakt. Turrell zeigt ja kein Licht, ein Keith Sonnier arbeitet mit Licht, inszeniert Licht. Das Ausloten dieser Dualität fand ich immer extrem spannend. Brigitte Kowanz wiederum benutzt das Licht als Code, als Inhalt, nicht als Leuchtquelle.

Und die konzeptuelle Malerei hat mich und meine Frau Christa persönlich begeistert. Von einem David Reed bis Gary Kuehn. Beeindruckt war ich auch immer von der persönlichen Passion eines Roman Signer. Bei ihm stand nie das Geld, sondern die Kunst im Vordergrund.
Diese Künstler hinterlassen für mich die tiefsten Spuren. Künstler wie er sind oft seriöse, scheue Menschen, die aber durch ihre Kunst provozieren, aufrütteln und dann ob dieser Wirkung dennoch überrascht sind. Auch Hamish Fulton gehört für mich in die Kategorie der (letzten) „wahren“ Künstler.

Was fehlt der Kunst heute?
Nicht der Kunst, den Menschen fehlt etwas – und zwar Zeit. Wir haben keine Zeit mehr, um uns auf Kunst einzulassen! Alles muss sofort wirken. Kunst braucht Zuwendung, Kunst braucht Zeit.

haeusler-contemporary.com
8006 Zürich | Switzerland

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